Das
Thema im Unterricht der Sekundarstufe I
Die Auseinandersetzung
mit dem Nationalsozialismus ist in allen Schulformen eine der zentralen
Aufgaben des Geschichtsunterrichts der Sekundarstufe I. Auch wenn
der Geschichtsunterricht in den unterschiedlichen Schulformen differiert,
sind die hier in den folgenden Kapiteln vorgestellten Unterrichtsentwürfe
gleichwohl für alle Schulformen der Sekundarstufe I geeignet,
da sie nur als Anregung dienen können und von der Fachlehrerin
oder dem Fachlehrer an den jeweiligen Leistungs- und Kenntnisstand
der Klasse angepasst werden müssen.
Alle Richtlinien und Lehrpläne für das Fach Geschichte
beinhalten in der "Thematischen Einheit“ "Nationalsozialismus“
das Stichwort "Zwangsarbeit“ 1) oder "Fremdarbeiter“
2) .
Durch die relative
Aktualität der Entschädigungsfrage – vor zwei Jahren
wurde die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter gesetzlich geregelt – und der bis heute andauernden
Berichterstattung in der Presse, bietet das Thema Zwangsarbeit eine
gute Möglichkeit, Probleme der unmittelbaren Gegenwart als
Ausgangspunkt für eine historische Betrachtung zu wählen,
wie es in den Richtlinien und Lehrplänen für die Sekundarstufe
I gefordert wird. 3)
Das auf dieser
CD-ROM zur Ausstellung "Zwangsarbeit in Rheinland und Westfalen
1939 – 1945“ angebotene Material bietet eine gute Möglichkeit
für Ihre Schülerinnen und Schüler mit Quellen zu
arbeiten. „Aus der Geschichte müssen die Schüler
und Schülerinnen die Bedeutung des Studiums von Quellen erkennen.
Sie müssen lernen, kritisch mit Quellen umzugehen.“ 4)
Quellen gehören zu den zentralen Elementen im Geschichtsunterricht.
Das Interpretieren von Quellen verlangt von den Schülerinnen
und Schülern intensives Nachdenken und die Auseinandersetzung
mit dem Kontext der Quelle. Die Interpretation geht damit weit über
das Abfragen von Wissen hinaus. 5)
An jedem Ausstellungsort
wird die Ausstellung mit einem Basisteil, der allgemeine Exponate,
Dokumente und Bildmaterialien präsentiert und einem lokalen
Teil, der stadtbezogene Informationen anbietet, gezeigt. Die Beschäftigung
mit dem Thema „Zwangsarbeit“ bietet gute Möglichkeiten
für ortsbezogenes Arbeiten im Geschichtsunterricht, da Zwangsarbeiter
überall eingesetzt wurden. "Lokalgeschichtliche Arbeit
im Geschichtsunterricht dient der Aufklärung des geschichtlichen
Werdens und Gewordenseins der konkreten Lebensumwelt der Schülerinnen
und Schüler.“ 6) Die Ausstellung kann der Ansatzpunkt
für eine Spurensuche vor Ort werden, zum Beispiel im Rahmen
einer Projektarbeit.
Auch wenn das
auf der CD-ROM zur Verfügung gestellte Material nicht für
jede Stadt und für jeden Ort Quellen enthält, haben die
Quellen exemplarischen Charakter, da der Zwangsarbeitereinsatz über
das Reichsarbeitsministerium organisiert wurde und die Situation
für die Zwangsarbeiter überall ähnlich war.
Die Unterrichtsreihen
und das Quellenmaterial auf der CD-ROM sowie das Video mit Zeitzeugenberichten
sollen es erleichtern, den Besuch der Ausstellung "Zwangsarbeit
in Rheinland und Westfalen 1939 – 1945“ an den Geschichtsunterricht
anzubinden.
Anmerkungen
1) Zur begrifflichen
Unterscheidung zwischen Zwangsarbeiter und Fremdarbeiter: „Die
Bezeichnung „Fremdarbeiter“ ist ein Quellenbegriff und
meint in erster Linie zivile, umgangssprachlich aber alle ausländischen
Arbeitskräfte. ..... Die Bezeichnung „Zwangsarbeiter“
hat hier keinen personenstandsrechtlichen Charakter, sondern drückt
unter Berücksichtigung der Umstände sowohl der Rekrutierung
wie der Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland eine Bewertung
des Schicksals der Betroffenen aus.“ Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter:
Politik und Praxis des „Ausländer-Einsatzes“ in
der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, Anmerkung
1, S. 437
2) Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und
Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen Geschichte/Politik,
Frechen 1989, S. 97; Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen:
Richtlinien und Lehrpläne für die Realschule in Nordrhein-Westfalen
Geschichte, Frechen 1994, S. 84; Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen:
Richtlinien und Lehrpläne für das Gymnasium – Sekundarstufe
I - in Nordrhein-Westfalen Geschichte, Frechen 1983, S. 114.
3) Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und
Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen Geschichte/Politik,
Frechen 1989, S. 40; Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen:
Richtlinien und Lehrpläne für die Realschule in Nordrhein-Westfalen
Geschichte, Frechen 1994, S. 47ff; Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen:
Richtlinien und Lehrpläne für das Gymnasium – Sekundarstufe
I - in Nordrhein-Westfalen Geschichte, Frechen 1983, S. 41.
4) Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und
Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen Geschichte/Politik,
Frechen 1989, S. 49.
5) Pandel, Hans-Jürgen: Alte Sünden und neue Entwicklung
– Quelleninterpretation im Geschichtsunterricht, in: LERNMETHODEN
– LEHRMETHODEN – Wege zur Selbständigkeit. Friedrich
Jahresheft XV/1997.
6) Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und
Lehrpläne für die Realschule in Nordrhein-Westfalen Geschichte,
Frechen 1994, S. 41. Auch die Richtlinien und Lehrpläne der
anderen Schulformen sehen die Einbeziehung von „Geschichte
vor Ort“ vor. Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen:
Richtlinien und Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen
Geschichte/Politik, Frechen 1989, S. 58 und Kultusminister des Landes
Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne für das
Gymnasium – Sekundarstufe I - in Nordrhein-Westfalen Geschichte,
Frechen 1983, S. 47. |